Zahi Hawass präsentiert brisante Neuigkeiten zur Großen Pyramide von Gizeh im englischsprachigen Podcast „Matt Beall Limitless“ (zu sehen auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal).
Der Podcast des US-amerikanischen Unternehmers Matt Beall widmet sich ungewöhnlichen, teils grenzüberschreitenden Themen. Beall versteht sich selbst als „free thinking CEO and podcaster“ – ein passendes Umfeld also für jemanden wie Hawass, der sich offenbar nicht mehr an wissenschaftliche Gepflogenheiten gebunden fühlt.
Statt seine Funde wie üblich in Fachjournalen oder auf Konferenzen vorzustellen, geht Hawass lieber den populistischen Weg über das Social-Media-Rampenlicht.

Zur Erinnerung: Zwischen 2002 und 2011 war Zahi Hawass Generalsekretär des Obersten Rats für Altertümer in Ägypten – einer staatlichen Behörde, die für den Schutz, die Verwaltung und den Erhalt archäologischer Stätten zuständig ist. 2011 übernahm er zeitweise sogar das Amt des Antikenministers – mit voller Verantwortung für Ausgrabungen, Museen, Kulturtourismus und den Kampf gegen Antikenraub.
Seit 2011 hat Hawass allerdings kein offizielles Regierungsamt mehr. Seither ist er international unterwegs als „Indiana Jones“ der ägyptischen Geschichte. Er hält Vorträge, leitet Ausgrabungen und präsentiert sich auf seiner Website als „UNWTO Ambassador for Responsible Tourism“, zu Deutsch: Botschafter für verantwortungsvollen Tourismus bei der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO = heute: UN Tourism).

Der Kulturtourismus in Ägypten braucht zweifellos neue Impulse – und wer wäre besser geeignet als der charismatische Zahi Hawass, um die uralten Steine neu zu vermarkten? Schon zu Beginn des Podcasts schwärmt er denn auch enthusiastisch für das neue Grand Egyptian Museum. Mehr noch: Er nennt es „ein Geschenk des Präsidenten an die ganze Welt“.
Klingt groß, aber: Rund 1,4 Milliarden US-Dollar verschlang das Museum bisher. Ursprünglich geplant waren 550 Millionen. Drei Viertel der Kosten übernimmt die Japanische Bank für Internationale Zusammenarbeit (JICA) in Form eines Entwicklungshilfekredits. Obwohl die Zinsen und Rückzahlungskonditionen sehr moderat sind, müssen Einnahmen generiert werden.
Unter der Leitung von Orascom Pyramids Entertainment hat sich das Gizeh-Plateau in eine kommerzialisierte Zone verwandelt, in der Eventmanagement, Lichtshows, kontrollierte Besucherströme und exklusiv vermarktete Zugänge den Alltag bestimmen.
Der Fokus liegt zunehmend auf touristischer Inszenierung: moderne Eingangsbereiche, Einkaufsmeilen, Shuttlebusse und abgesperrte VIP-Zonen gehören inzwischen zum Standard. Veranstaltungen mit Prominenten, Großevents in Sichtweite der Pyramiden oder Werbedrehs mit internationalem Publikum werden forciert – alles unter der Regie von Orascom.
Für Archäologen und unabhängige Forscher wie Gregor Spörri bedeutet das eine spürbare Einschränkung: Zugänge zu bestimmten Bereichen werden limitiert, Genehmigungen schwieriger, spontane Untersuchungen kaum noch möglich. Die einst offene Interaktion mit dem Gelände ist bürokratisiert und hauptsächlich an kommerzielle Interessen gekoppelt. Wissenschaftliche Prioritäten treten zunehmend hinter wirtschaftlichen Erwägungen zurück – eine Entwicklung, die von vielen Experten mit großer Sorge beobachtet wird.

Laut Zahi Hawass wurden in den sogenannten Entlastungskammern über der Königskammer bislang unbekannte Inschriften gefunden. Diese sollen das Alter der Pyramide (4.500 Jahre, Regierungszeit Cheops) bestätigen.
Zudem sollen die mit Farbe gezeichneten Hieroglyphentexte belegen, dass die Pyramiden von gut genährten, gut bezahlten, hochqualifizierten Arbeitern gebaut wurden – mit geregelten Arbeitszeiten und sogar freien Tagen. Der Mythos vom Sklavenheer, was 20 Jahre lang unter erbärmlichen Bedingungen schuftete, sei damit endgültig widerlegt.
Moment mal …
Die neu entdeckten Kritzeleien stammen, wenn ich es richtig verstanden habe, aus dem 13. Jahrhundert vor Christus – also rund 1.300 Jahre nach dem offiziellen Bauzeitpunkt der Pyramide. Wie bitte sollen Inschriften, die erst nachträglich hinterlassen wurden, die Bauzeit belegen? Wahrscheinlicher ist, dass sie von Arbeitern stammen, die zu jener Zeit Reparatur- oder Umbauarbeiten in der Pyramide durchführten. Von einem Beweis kann hier keine Rede sein.

Südlich der Pyramide entdeckte man gemäß Hawass angeblich die Gräber der Erbauer der Pyramide. Darin: Kleine Statuen, die Arbeiter beim Schleppen und Bearbeiten von Steinen zeigen. Dazu ins Mauerwerk der Gräber geritzte Berufsbezeichnungen wie: „Aufseher der Pyramidenseite“ oder „Handwerker“. Des Weiteren: Werkzeuge aus Feuerstein sowie Schlagsteine, die angeblich zum Bau der Großen Pyramide verwendet wurden.
Alles sehr beeindruckend, doch auch hier gilt: Diese Funde beweisen nicht, dass diese Arbeiter die Pyramide tatsächlich gebaut haben. Cheops wird, wenn ich es nicht überhört habe, in den Einritzungen auch nirgends erwähnt. Das Gizeh-Plateau war einst eine gewaltige Anlage mit zahlreichen Bauten und Tempeln. Diese Arbeiter – womöglich dieselben, welche die Kritzeleien in der Pyramide hinterlassen haben – könnten dort also mit irgendwelchen Arbeiten beschäftigt gewesen sein.

Hawass referiert über eine Rampe, die einst von Südwesten zur Pyramide führte, über Bauorganisation, Fundamentgestaltung und mehr. Seine Aussagen untermauert er mit exklusivem, bisher unveröffentlichtem Bildmaterial.
Gastgeber Matt Beall versucht mehrfach, ihn auf alternative Theorien zur Sphinx und den Pyramiden anzusprechen. Doch Hawass blockt stets ab, verweist auf seine Jahrzehntelange Erfahrung – und stellt klar: Für solche Thesen ist er nicht zu haben.
Anfang 2026 soll tatsächlich ein Miniroboter den mysteriösen „Big Void“ – den 2017 entdeckten riesigen Hohlraum über der Großen Galerie – untersuchen. Dafür wird ein Loch gebohrt, durch das der nur 1 Zentimeter kleine Roboter in Hohlraum vordringen kann. Hawass zeigt sich siegessicher: Er glaubt, dort endlich das Grab von Pharao Cheops zu finden.
Ob er recht hat? Lesen Sie dazu meine Rubrik: GEHEIME KAMMERN
Zurück zu
Mystery-Recherchen