Die Große Pyramide in Gizeh: Geheime Kammern

Die Große Pyramide von Gizeh: Geheime Kammern
Forschungsbericht von Gregor Spörri
Sie soll deutlich älter sein als von der Wissenschaft behauptet. Sogar aus vorsintflutlicher Zeit soll sie stammen. Geheime Kammern mit mysteriösen Artefakten, Gerätschaften und verstörenden Enthüllungen zur Menschheitsgeschichte sollen darin verborgen sein. Und selbst die Grabkammer des Erbauers, gefüllt mit fantastischen Schätzen, soll sich bislang der Entdeckung entzogen haben. Kein Wunder, versuchen Schatzsucher, Abenteurer und Forscher seit Jahrhunderten mit allen Mitteln, der Großen Pyramide von Gizeh ihre Geheimnisse zu entreißen. In früheren Zeiten rückte man ihr noch mit Spitzhacke, Sprengstoff und Presslufthämmern zu Leibe. Heute gibt es zum Glück sanftere Methoden.

Das ScanPyramids-Projekt
2015 schlossen sich japanische, französische und ägyptische Wissenschaftler unter der Federführung des ägyptischen Antikenministeriums zum Projekt ScanPyramids zusammen. Mit einer ganzen Serie von Untersuchung sollte endlich und endgültig geklärt werden, ob in der Großen Pyramide noch unbekannte Hohlräume existieren, wie es von alten Sagen und Mythen überliefert wird. Zur Anwendung kam dabei die sogenannte Myonen-Tomografie. Dieses Verfahren kommt auch bei der Durchleuchtung von Vulkanen zur Anwendung.
Die Sensation war perfekt, als die Forscher im November 2017 verkündeten: “Es existiert tatsächlich ein großer Hohlraum oberhalb der Großen Galerie sowie ein unbekannter Korridor unmittelbar hinter dem ursprünglichen Eingang.” Seither wurden weitere Scans durchgeführt. Die im November 2019 publizierten Resultate bestätigen alle vorangegangenen Messungen.
Link zur Website von ScanPyramids

Ein alter Hut
Schon seit 50 Jahren werden die Gizeh-Pyramiden regelmäßig durchleuchtet. Die 2017 als Sensation gefeierte Entdeckung der Hohlräume entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als alter Hut, und ich frage mich ernsthaft, ob wir in naher Zukunft tatsächlich etwas Aufregendes über die Große Pyramide erfahren werden?
Chef-Ägyptologe Zahi Hawass äußerte sich 2015 bei einem Treffen mit Forschern von “ScanPyramids” nämlich wie folgt: »Alles Wissenschaftliche, was in den letzten 100 Jahren mit den Pyramiden gemacht wurde, war nichts als heiße Luft!« Gleich darauf sagt er jedoch: »Wir wissen, dass es noch Hohlräume geben muss, und ich glaube wirklich, dass die Grabkammer von Cheops noch im Innern verborgen ist!« Warum dieser eklatante Widerspruch?
Die Antworten lesen Sie in diesem Bericht.

Untersuchung der Gizeh Pyramiden mit modernen Mitteln
1968: Dr. Luis Alvarez (Nobelpreisträger in Physik) von der Universität Berkeley, Kalifornien, untersuchte die Chephren-Pyramide zwecks Entdeckung verborgener Kammern. Das Vorhaben entstand aus der These: Pharao Chephren habe seine Pyramide über die Jahrtausende hinweg so erfolgreich gegen Plünderungen schützen können, weil er Kammern gebaut habe, die nicht durch ein Gangsystem erreichbar sind. Alvarez verwendete für seine Untersuchungen schon damals Myonen-Detektoren. Mit sog. Funkenkammern wurde die Anzahl der Einschläge von Myonen aus der kosmischen Strahlung gemessen, die je nach Dicke des Pyramidengesteins unterschiedlich hoch ist. Eine elektronische Vorrichtung registrierte die Koordinaten der durch die Myonen-Treffer erzeugten Funken. Ein IBM System errechnete aus den zirka 3 Millionen Spuren, die auf 80 Magnetbändern gespeichert wurden, ob aus einer bestimmten Richtung mehr Myonen auf die Detektoren getroffen waren, als bei der zu durchquerenden Gesteinsdicke zu erwarten gewesen wäre. Sollte man fündig werden, bedeutete dies, dass zwischen den Detektoren und der Außenwand der Pyramide, ein Hohlraum existieren müsste.
Die Messungen lieferten leider widersprüchliche Ergebnisse, was jedoch nicht verwundert – steckte die Technologie zur Durchleuchtung von Steinen Ende der Sechzigerjahre doch noch in den Kinderschuhen.


1974: Wissenschaftler des Stanford-Research-Instituts durchleuchteten mit einem Team der Kairoer Ain-Shams-Universität die Große Pyramide. Zur Anwendung kamen dabei elektromagnetische Hochfrequenzwellen. Die Messungen verliefen zwar positiv, doch Resultate wurden keine veröffentlicht. Die Gründe dafür bleiben bis heute im Dunkeln.


1986: Die Architekten Gilles Dormion und Jean-Patrice Goidin führten mit Ingenieuren und Physikern des staatlichen französischen Stromversorgungs-Unternehmens Electricité de France, verschiedene Untersuchungen an und in der Großen Pyramide durch. Zur Anwendung kamen Schwerkraftmessungen (Gravimetrie) und Laufzeitmessungen mit Radarwellen (Echoskopie). Die Franzosen registrierten Anomalien, welche auf mehrere Hohlräume hinwiesen, die etwa 15-20% der gesamten Pyramidenstruktur ausmachten. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen erkundeten die beiden Franzosen auch den Originaleingang zur Pyramide und stellten dabei die Hypothese auf, hinter den massiven Verschlusssteinen könnte sich ein weiterer Zugang zur Pyramide befinden. Nach der Präsentation ihrer bisherigen Forschungsergebnisse, erhielten Dormion und Goidin von der ägyptischen Antikenverwaltung die Erlaubnis, im Korridor, der zur sog. Königin-Kammer führt, mehrere kleine Löcher zu bohren. Dabei stießen die Franzosen hinter der Westwand des Korridors tatsächlich auf einen zirka 3 Meter tiefen Hohlraum, der zur Überraschung aller mit feinem Quarzsand gefüllt war. 
Zahi Hawass, damals Chefinspektor bei den Gizeh-Pyramiden, weilte zu dieser Zeit in den USA. Obschon die Franzosen die Ansichten der offiziellen Ägyptologie vertraten, wurde ihnen nach Hawass’ Rückkehr die Bewilligung für eine genauere Untersuchung verweigert.


1987: Professor Sakuji Yoshimura und ein japanisches Wissenschaftler-Team von der Waseda-Universität in Tokio, führten ebenfalls Messungen in der Großen Pyramide durch. Zur Anwendung kamen zwei unterschiedliche Radarsysteme: Eines zur Messung unterirdischer Reflexionen und eines zur Hohlraumsuche mittels Radartransmissionen. Auch die Japaner wurden fündig. So entdeckten sie u.a. einen 30 Meter langen Gang oder schmalen Hohlraum, der zu einem bislang unbekannten Labyrinth gehören könnte, sowie einen weiteren Hohlraum in der Nähe der Großen Galerie.
Die aktuellen Messungen von ‘ScanPyramids’ bestätigen also nur die 30 Jahre alten Resultate der Japaner.
 Nun aber wird es kurios: Wie schon zuvor den Franzosen, verboten die ägyptischen Behörden auch Sakuji Yoshimura und seinem Team jede weitere Untersuchung in der Pyramide. Doch das ist noch nicht alles: Kurz nach Abreise der Japaner wurde die Große Pyramide einige Monate lang für Besucher geschlossen. Augenzeugen zufolge wurde in dieser Zeit intensiv in der Pyramide gearbeitet. Nach was wurde gesucht? Was wurde gefunden? Niemand weiß es.


1992: Professor Jean Kérisel untersuchte den absteigenden Korridor der Großen Pyramide. Zur Anwendung kam dabei ein Bodenradar. 30 Meter unter dem Pyramidenplateau, wo der Korridor in die unvollendete Felsenkammer mündet, orteten die Messgeräte eine langgezogene Struktur. Kérisel vermutete, es könnte sich um einen weiteren, noch tiefer liegenden Gang handeln, der den Korridor zur Felsenkammer in einem Winkel von 45° kreuzt und in Richtung Sphinx weiter führt.


2000: Gilles Dormion kehrte nach Ägypten zurück. Mit seinem neuen Partner und Finanzier Jean-Yves Verd’hurt durfte er weitere Radarmessungen in der Großen Pyramide durchführen. Die Messungen bestätigten erneut die Existenz verborgener Räume. Eine Kammer soll sich leicht nach Westen verschoben unterhalb der sog. Königinnen-Kammer befinden. Sie liegt im Schnittpunkt der Diagonalen und damit im Zentrum der Pyramide. Nach Auffassung der Franzosen könnte es sich dabei um das tatsächliche, bisher unentdeckte Grab von Pharao Cheops handeln. Aufgrund der eindeutigen Messergebnisse ersuchten Dormion und Verd’hurt um eine Bewilligung für eine Sondier-Bohrung, aber Hawass verweigerte sie mit der Begründung: »Allein auf Grund von Hypothesen können wir keine Bohrungen in der Pyramide zulassen.« 2015 hat Hawass dann aber keine Skrupel, sich der Aussage der Franzosen zu bedienen: »Wir wissen, dass es in der Pyramide noch Hohlräume geben muss, und ich glaube wirklich, dass die Grabkammer von Cheops noch im Innern verborgen ist!«

Meine eigenen Nachforschungen
1988 kam ich das erste Mal mit der Großen Pyramide in Berührung. Ich war jung und ungestüm. Nachdem ich eine Nacht allein in dem Bauwerk verbracht hatte, kletterte ich in der Morgendämmerung für ein gewagtes Experiment auch noch auf die Spitze. Mein Vorhaben blieb nicht unbemerkt und brachte mich mit einem alten Grabräuber zusammen.
Lesen Sie dazu: Wie alles begann
Durch einen mysteriösen Hinweis des Grabräubers machte ich in der Pyramide eine unglaubliche Entdeckung.
Lesen Sie dazu: Die Gruft der Riesen

Die Erlebnisse von damals haben mich nie mehr losgelassen, und so mache ich der Pyramide seit nunmehr 30 Jahren regelmäßig meine Aufwartung. Dabei gehe ich bis heute auch der Frage nach, ob es in dem Monument noch unentdeckte geheime Kammern gibt.

Original-Eingang
Besucher betreten die Pyramide durch einen Stollen, der laut Geschichtsschreibung um 832 nach Chr. von dem Kalifen und Grabräuber Al-Ma’mun aus dem Mauerwerk geschlagen wurde, weil er den Original-Eingang angeblich nicht fand. Ich hatte mehrfach die Gelegenheit, den ursprünglichen Eingang zu erkunden. Er befindet sich 7 Meter über dem Grabräuber-Stollen. Vom Gizeh-Plateau aus erkennt man davon aber nur die mächtige Giebeldachkonstruktion. Schon bei meiner ersten Inspektion beschlich mich das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht!

Offizielle Lehrmeinung
Das Grabmal von Cheops: Ein weltweit einzigartiges Monument mit einer höchst beindruckenden Innenarchitektur. Erbaut mit primitivsten Mitteln um 4500 vor Chr. Nicht einmal das Rad sollen die alten Ägypter gekannt haben. Um seine letzte Ruhestätte wirksam gegen Plünderer zu schützen, scheute der Superpharao keinen Aufwand. Niemand sollte wissen, wo in dem gigantischen Bauwerk er bestattet sei. Also ließ Cheops die Grabkammer versiegeln, die Korridore und Gänge dorthin mit tonnenschweren Granitblöcken versperren, den Eingang zu den Korridoren zumauern und die Außenmauer des Bauwerks mit geschliffenen Fassadensteinen verkleiden. Ein gigantischer Aufwand, der Unsummen gekostet haben muss.

Bautechnische Widersprüche
Die offizielle Lehrmeinung steht zu Teil in krassem Widerspruch zur tatsächlichen Situation.


Widerspruch 1: An der Nordseite der Pyramide wurde ein gewaltiger, von weitem sichtbarer Eingangsbereich geschaffen, obwohl er zum Schutz vor Grabräubern eigentlich streng geheim bleiben sollen und damit auf möglichst unauffällige Weise hätte errichtet werden müssen.

Widerspruch 2: Die über dem winzigen Zugang zur Felsenkammer errichtete, tausende Tonnen schwere Giebeldach-Konstruktion, macht aus statischen Gründen keinerlei Sinn. Vor allem deshalb nicht, weil sich dieses Giebeldach quasi an der Außenwand der Pyramide befindet.


Widerspruch 3: Auch die drei tonnenschweren Steinquader über dem Zugang zur Felsenkammer machen bautechnisch absolut keinen Sinn.

Alternative Möglichkeiten
1) Die Pyramide ist deutlich älter als offiziell behauptet.
2) Sie wurde von einer voreiszeitlichen Hochkultur errichtet.
3) Die alten Götter (Extraterrestrische Besucher) überbrachten den Steinzeitmenschen das Wissen (Mathematik, Physik, Mechanik, Astronomie) zum Bau dieser Monumente.
4) Die Pyramide war kein Grabmal, sondern eine Art Wissens-Tresor für die damalige Elite sowie ein weitherum sichtbares Zeichen ihrer Macht.
5) Erst spätere Generationen von Königen wie Cheops, bauten die Pyramide zu einem Grabmal um.

Geheimkammer
Nach einigem Kopfzerbrechen entwickelte ich folgende These:
1) Es führte einst eine mächtige Treppe 20 Meter empor zur prunkvollen Eingangshalle mit dem Giebeldach und den zwei übereinanderliegenden Eingängen.
2) Der untere Eingang (heute mit einer Metalltür gesichert) führt zur Felsenkammer sowie über eine Abzweigung zur sog. Königinnenkammer, zur großen Galerie und zur sog. Königskammer.
3) Der obere Eingang (heute von drei Steinquadern blockiert) führt zur bislang geheimen Kammer.
Meine These erklärt auch die frühe Legendenbildung um mögliche Geheimkammern und verborgene Schätze in der Großen Pyramide.

Die Geheimkammer existiert tatsächlich
Messungen verschiederner Forschergruppen belegen: Es muss es noch mindestens eine zusätzlichre große Kammer in der Pyramide geben. Weshalb die Wissenschaftler von ScanPyramids zwei Hohlräume gemessen haben, erklärt sich meiner Meinung nach so: Der Korridor, der vom originalen Eingang zur Kammer führt, wurde mit Blockiersteinen gefüllt (rot). Der Korridor-Bereich beim Eingang erscheint auf den Scans somit als zweiter Hohlraum. Doch wie gelangt man in die gut gesicherte Kammer, wenn nicht gebohrt werden darf?

Mit einem Schwerlastkran könnten zuerst die Blockiersteine beim Eingang entfernt werden, ohne die Pyramidenstruktur dabei zu beschädigten. Danach könnten mit Seilwinden die Blockiersteine im Korridor herausgezogen werden.

Was befindet sich in der Geheimkammer?
Jeder Ägyptologe dieser Welt wünscht sich die Entdeckung von Cheops unversehrtem Grab; eine Kammer voller Schätze, wie bei Tutanchamun. Was aber, wenn sich die alten Legenden bewahrheiten und Dinge zum Vorschein kommen, die unser Weltbild radikal auf den Kopf stellen würden?
Ich befürchte – und dafür spricht die bisherige Praxis der ägyptischen Altertumsverwaltung – das Geheimnis um die Große Pyramide wird nie oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelüftet. Bei der Öffnung der Geheimkammer werden garantiert keine ausländischen Forscher oder die Presse zugegen sein. Denn wie sagt ein altes arabisches Sprichwort: Die Pyramiden fürchten nicht die Zeit, aber die Zeit fürchtet die Pyramiden.

Quellenverzeichnis
Dormion und Goidin veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse in den beiden Büchern ‘Khéops – Nouvelle Enquête’ (1986) und ‘Nouveaux Mystères de la Grande Pyramide’ (1987).
2)

Professor Sakuji Yoshimura publizierte einen wissenschaftlichen Abschlussbericht zu seinen Forschungen: Non-Destructive Pyramid Investigation – by Electromagnetic Wave Method, Waseda University, Tokio (1987).¨
3)

Dormion und Verd’hurt veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse im Buch ‘La chambre de Chéops. Analyse Architecturale’ (2004).

Gregor Spörri hat zum vorliegenden Thema einen spannenden Thriller verfasst.
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